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Brandschutz in der Schweiz: Eigenverantwortung statt Gesetzesflut

  • Autorenbild: Damian Lukaszczyk
    Damian Lukaszczyk
  • 19. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Die Schweiz gilt als Land der Sicherheit und Präzision. Doch wenn es um den Brandschutz in den eigenen vier Wänden geht, staunen viele Neuzuzüger und Mieter: Anders als in den Nachbarländern gibt es in der Schweiz für Privathaushalte oft weniger harte Vorschriften – dafür aber umso mehr Eigenverantwortung.

Was sagen die VKF-Vorschriften? Brauche ich wirklich keinen Rauchmelder? Und wen rufe ich an, wenn es brennt (nein, nicht die 122)? In diesem Beitrag klären wir auf.


1. Der Mythos der Rauchmelderpflicht

Das ist wohl der größte Unterschied zu den Nachbarländern: In der Schweiz gibt es derzeit keine nationale gesetzliche Pflicht zur Installation von Rauchwarnmeldern in privaten Wohnungen.

Die Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF), die in der Schweiz die Brandschutzvorschriften erlässt, setzt im privaten Wohnbereich (noch) auf Eigenverantwortung und baulichen Brandschutz (gute Mauern, sichere Fluchtwege) statt auf verpflichtende Geräte in jedem Zimmer.


Warum Sie trotzdem einen brauchen

Trotz fehlender Pflicht empfehlen die BFB (Beratungsstelle für Brandverhütung) und Feuerwehren dringend die Installation.

  • Der Grund: Nachts schläft auch Ihr Geruchssinn. Die meisten Brandopfer ersticken am giftigen Rauch, bevor sie verbrennen.

  • Empfehlung: Installieren Sie mindestens einen geprüften Rauchmelder im Korridor (Fluchtweg) und in den Schlafzimmern.


2. Feuerlöscher und Löschdecken: Was gehört in den Haushalt?

Auch für Feuerlöscher gibt es in privaten Schweizer Haushalten keine generelle Pflicht. Dennoch sollte mindestens ein Löschgerät griffbereit sein.

Schaum oder Pulver?

In Schweizer Haushalten wird meistens zum Schaumlöscher oder zu Fettbrandlöschern geraten.

  • Schaumlöscher: Verursachen wenig Wasserschaden und sind leicht zu reinigen.

  • Pulverlöscher: Werden eher für Garagen oder Hobbyräume empfohlen. Der feine Staub ruiniert in einer Wohnung oft mehr als das Feuer selbst (Elektronikschäden!).

Die Löschdecke: Der Küchen-Held

Da wir Schweizer gerne Fondue essen, ist die Löschdecke fast wichtiger als der Löscher. Brennendes Rechaud-Öl oder Fett in der Pfanne darf niemals mit Wasser gelöscht werden (Explosionsgefahr!).

  • Tipp: Platzieren Sie eine Löschdecke gut sichtbar in der Küche.


3. Die Schweizer Notrufnummern

Während in der EU oft die 112 propagiert wird (die auch in der Schweiz funktioniert), sollten Sie die direkten Nummern kennen, um keine Zeit durch Weiterleitungen zu verlieren:

  • 🔥 118Feuerwehr (Die wichtigste Nummer bei Brand!)

  • 🚑 144 – Sanität / Ambulanz

  • 👮 117 – Polizei

  • 🆘 112 – Allgemeiner Euro-Notruf (funktioniert immer, auch ohne SIM/Guthaben)

Wichtig: In der Schweiz gilt die Regel: Alarmieren – Retten – Löschen.

  1. Zuerst die 118 rufen.

  2. Dann Menschen und Tiere retten / warnen.

  3. Erst dann (wenn gefahrlos möglich) löschen.


4. Die Sache mit der Versicherung: Das Kantonal-System

Wer zahlt, wenn es brennt? In der Schweiz ist das Versicherungssystem einzigartig und hängt von Ihrem Wohnkanton ab.


Die Gebäudeversicherung (Monopol vs. Privat)

In 19 von 26 Kantonen (z.B. Bern, Zürich, Luzern) ist die Gebäudeversicherung obligatorisch und wird über eine kantonale Monopolanstalt (z.B. GVB, GVZ) abgewickelt.

  • Ausnahmen (GUSTAVO-Kantone): In Genf, Uri, Schwyz, Tessin, Appenzell Innerrhoden, Wallis und Obwalden gibt es kein Monopol – hier müssen (und können) Sie sich eine private Versicherung suchen.

Die Hausratversicherung

Diese deckt Ihre Möbel, Kleider und Geräte. Sie ist fast überall Privatsache (freiwillig, aber dringend empfohlen).

  • Ausnahme: In den Kantonen Nidwalden und Waadt ist auch die Hausratversicherung gegen Feuer obligatorisch.


5. Besondere Gefahren im Schweizer Alltag

Abgesehen von den üblichen Gefahren (Steckdosen, Kabel) gibt es saisonale und lokale Besonderheiten:

  1. Das Cheminée: Viele Schweizer Wohnungen haben ein Cheminée. Asche kann bis zu 48 Stunden nachglühen! Entsorgen Sie Asche nur in feuerfesten Metallbehältern, nie direkt im "Abfallsack".

  2. Lithium-Akkus: E-Bikes sind in der Schweiz extrem populär. Laden Sie die Akkus nicht im Treppenhaus (Fluchtweg!) und lagern Sie sie im Winter nicht bei Frost.

  3. 1. August & Silvester: Feuerwerk gehört zur Tradition. Halten Sie an diesen Tagen Fenster geschlossen und entfernen Sie brennbares Material von Balkonen.


Fazit: Warten Sie nicht auf das Gesetz

Nur weil der Staat Sie nicht zwingt, einen Rauchmelder aufzuhängen, heißt das nicht, dass Sie sicher sind. Sicherheit ist in der Schweiz Privatsache.

Der minimale Sicherheits-Check für Ihre Wohnung:

  • [ ] Rauchmelder im Flur installiert?

  • [ ] Löschdecke in der Küche griffbereit?

  • [ ] Wissen alle Familienmitglieder, dass die Feuerwehr die 118 ist?

Investieren Sie die wenigen Franken in Rauchmelder und eine Löschdecke – für ein sicheres Gefühl im schönen Alpenland.

 
 
 

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