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Brandschutz in Tschechien: Ein Leitfaden für Investoren und Bauherren

  • Autorenbild: Damian Lukaszczyk
    Damian Lukaszczyk
  • 17. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Wer als deutsches oder österreichisches Unternehmen in die Tschechische Republik expandiert, eine Produktionshalle baut oder ein Büro anmietet, stellt schnell fest: Die Nachbarn sind zwar nah, aber die Vorschriften können sich deutlich unterscheiden. Das gilt besonders für den Brandschutz (Požární ochrana).

Prag

Tschechien gilt in Europa als eines der Länder mit den strengsten und detailliertesten Brandschutzvorschriften. Was Sie wissen müssen, um böse Überraschungen bei der Bauabnahme ("Kolaudace") zu vermeiden, erfahren Sie in diesem Artikel.


1. Die gesetzliche Basis: Strenger als man denkt

In Deutschland sind wir an DIN-Normen gewöhnt. In Tschechien regiert die ČSN (Česká technische Norm). Während EU-Normen (EN) natürlich auch in Tschechien gelten, sind die nationalen Anhänge und spezifischen tschechischen Normen oft restriktiver.

Das wichtigste Gesetz ist das Gesetz Nr. 133/1985 Slg. über den Brandschutz. Ergänzt wird dieses durch die Verordnung über die technische Bedingungen des Brandschutzes bei Bauwerken (Vyhláška č. 23/2008 Sb.).

Wichtig: In Tschechien ist die Einhaltung der ČSN-Normen im Brandschutzbereich oft gesetzlich verpflichtend, nicht nur eine "empfohlene Praxis".

2. Das PBŘ: Ihr wichtigstes Dokument

Wenn Sie ein Bauvorhaben planen, dreht sich alles um das sogenannte PBŘ (Požárně bezpečnostní řešení) – auf Deutsch etwa "Brandschutztechnische Lösung" oder Brandschutzkonzept.

Anders als bei kleineren Projekten in anderen Ländern, wird dieses Dokument in Tschechien für fast jede bauliche Änderung verlangt.

  • Wer darf es erstellen? Nur ein staatlich autorisierter Ingenieur oder Techniker für Brandschutz (Autorizovaný inženýr/technik).

  • Was steht drin? Es berechnet Brandlasten, Fluchtwege, Löschwasserbedarf und Abstände zu Nachbargebäuden minuziös.


3. Die größten Unterschiede zur DACH-Region

Aus der Praxis wissen wir, dass ausländische Investoren oft über folgende Punkte stolpern:

A. Feuerlöscher und Hydranten

Es reicht nicht, "ein paar Feuerlöscher" aufzuhängen. Die Anzahl und der Typ (Pulver, CO2, Schaum) werden basierend auf einer komplexen Berechnung der Brandlast und der Fläche ermittelt. Oft fordert die tschechische Norm mehr Geräte als die deutsche Arbeitsstättenrichtlinie.

B. Fluchtwege

Tschechische Normen sind extrem strikt bei der Breite und Länge von Fluchtwegen. Eine Tür, die in Deutschland als Notausgang akzeptiert wird, könnte in Tschechien durchfallen, wenn sie nicht die spezifischen Panikbeschläge nach tschechischer Lesart hat oder wenn die Rauchabsaugung im Treppenhaus nicht exakt den ČSN-Vorgaben entspricht.

C. Feuerwiderstandsklassen

Die Klassifizierungen (REI 30, REI 60 etc.) sind zwar europäisch harmonisiert, aber wo welche Wand stehen muss, entscheidet die tschechische Norm. Oft müssen Trennwände zwischen bestimmten Nutzungsbereichen (z.B. Lager vs. Produktion) widerstandsfähiger sein als erwartet.


4. Die Abnahme (Kolaudace) – Das Nadelöhr

Das tschechische Bauamt genehmigt die Nutzung eines Gebäudes erst, wenn die Feuerwehr (Hasičský záchranný sbor - HZS) ihr "Okay" gibt.

Dies ist der kritischste Moment. Die tschechischen Feuerwehr-Inspektoren prüfen oft sehr genau, ob das realisierte Gebäude zu 100% mit dem genehmigten PBŘ übereinstimmt.

  • Haben die Brandschutztüren die richtigen Zertifikats-Aufkleber?

  • Sind die Durchführungen von Kabeln durch Wände (Brandschotts) korrekt versiegelt und beschriftet?

  • Gibt es das vorgeschriebene "Feuerwehr-Schlüsseldepot"?

Tipp: Dokumentieren Sie während der Bauphase jede Kabeldurchführung und jede verbaute Brandschutzkomponente mit Fotos und Zertifikaten. Fehlt ein Zertifikat bei der Abnahme, müssen Sie im schlimmsten Fall Wände wieder aufreißen.


5. Laufender Betrieb: Pflichten des Betreibers

Nach dem Bau ist vor der Prüfung. Als Betreiber in Tschechien haben Sie strikte Pflichten:

Pflicht

Häufigkeit

Bemerkung

Präventive Kontrollen

1x jährlich (meistens)

Durchzuführen durch einen Brandschutztechniker.

Revision Feuerlöscher

1x jährlich

Prüfung durch Fachfirma.

Schulung Mitarbeiter

Alle 2 Jahre (MA) / Alle 3 Jahre (Leitende)

Dokumentationspflicht im "Brandschutzbuch".

Kategorisierung

Einmalig (bei Start)

Einteilung des Betriebs in eine Gefahrenklasse (ohne, erhöhte oder hohe Gefahr).

Fazit: Fachleute früh einbinden

Brandschutz in Tschechien ist bürokratisch und streng, aber handhabbar, wenn man die lokalen Spielregeln kennt. Versuchen Sie nicht, deutsche Konzepte 1:1 zu übertragen.


Unsere Empfehlung: Suchen Sie sich bereits in der Planungsphase einen lokalen tschechischen Brandschutz-Autor (Autorizovaná osoba), der eng mit Ihren deutschen Architekten zusammenarbeitet. Das spart Ihnen am Ende Zeit, Geld und Nerven bei der Abnahme.


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