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Bauen im Nachbarland: Ein Wegweiser durch den Brandschutz in Polen

  • Autorenbild: Damian Lukaszczyk
    Damian Lukaszczyk
  • 17. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Polen ist für viele Unternehmen aus der DACH-Region einer der wichtigsten Expansionsmärkte. Doch wer in Polen baut oder Immobilien saniert, merkt schnell: Die baurechtlichen Uhren ticken hier anders. Besonders beim Thema Brandschutz (Ochrona przeciwpożarowa) gibt es signifikante Unterschiede zu deutschen Standards, die bei Unkenntnis zu teuren Bauverzögerungen führen können.

In diesem Beitrag erfahren Sie, wer die Key-Player sind, welche Rolle der Rzeczoznawca spielt und warum das polnische Zulassungsinstitut CNBOP eine zentrale Rolle spielt.


1. Die rechtliche Basis: Nicht alles ist EU-einheitlich

Zwar basieren viele Normen auf europäischem Recht (z.B. die Brandklassen nach EN 13501), aber das Baurecht selbst ist national geregelt. In Polen ist die "Bibel" für jeden Planer die Verordnung über technische Bedingungen, denen Gebäude entsprechen müssen (Warunki Techniczne).

Wichtig zu wissen:

  • Das polnische Baurecht ist oft formaler und in Teilen strenger als das deutsche.

  • Es gibt weniger Spielraum für "abweichende ingenieurmäßige Begründungen" als in Deutschland. Entweder die Vorschrift wird erfüllt, oder es bedarf einer aufwendigen Ausnahmegenehmigung durch das Ministerium oder die Woiwodschaftskommandantur der Feuerwehr.


2. Der wichtigste Mann im Projekt: Der Brandschutzsachverständige

In Deutschland kennen wir den Brandschutzplaner und den Prüfsachverständigen. In Polen ist die zentrale Figur der Rzeczoznawca do spraw zabezpieczeń przeciwpożarowych (Sachverständiger für Brandschutzangelegenheiten).

Achtung: Kein Bauantrag ohne seinen Stempel!

Anders als in manchen deutschen Bundesländern, wo bei kleineren Bauten vereinfachte Verfahren gelten, muss in Polen fast jedes gewerbliche Bauprojekt vor Einreichung des Bauantrags von einem solchen Sachverständigen geprüft und abgestempelt werden. Er haftet persönlich für die Übereinstimmung des Entwurfs mit den Vorschriften.


3. Materialzulassungen: Die Hürde "CNBOP"

Ein häufiger Fehler ausländischer Investoren: "Wir nehmen einfach das Material, das wir in Deutschland auch verbauen. Das hat ja eine Zulassung."

Das ist oft ein Irrtum. Produkte, die für den Brandschutz relevant sind (z.B. Brandmeldeanlagen, Hydranten, spezielle Beleuchtung), benötigen in Polen oft eine Zulassung oder ein Zertifikat des wissenschaftlichen und forschenden Zentrums für Feuerschutz – kurz CNBOP (Centrum Naukowo-Badawcze Ochrony Przeciwpożarowej).

  • Eine reine CE-Kennzeichnung reicht manchmal nicht aus, wenn das nationale polnische Recht spezifische Zusatzeigenschaften fordert.

  • Ohne die korrekten polnischen Zertifikate ("Dopuszczenie") wird die Feuerwehr das Gebäude bei der Endabnahme nicht freigeben.


4. Die Abnahme durch die Staatliche Feuerwehr (PSP)

In Polen hat die Państwowa Straż Pożarna (PSP), die staatliche Berufsfeuerwehr, eine enorme Machtposition bei der Bauabnahme.

Bevor Sie eine Nutzungsgenehmigung (Pozwolenie na użytkowanie) erhalten, kommt die Feuerwehr zur physischen Kontrolle auf die Baustelle.

Was wird geprüft?

  1. Funktionieren alle Anlagen (Rauchabzug, Brandmeldeanlage, Hydranten)?

  2. Stimmen die verbauten Materialien mit den Zertifikaten überein?

  3. Sind die Fluchtwege korrekt markiert und breit genug?

Findet die PSP Mängel, gibt es keine Nutzungsfreigabe. Der Prozess ist sehr binär: "Bestanden" oder "Nachbessern".


5. Besonderheiten im Detail

Hier sind drei Punkte, die in Polen oft anders gehandhabt werden als in Deutschland:

  • Innenhydranten: Polen setzt sehr stark auf Innenwandhydranten. Sie sind in vielen Gebäuden vorgeschrieben, wo in Deutschland oft Feuerlöscher ausreichen würden.

  • Feuerwiderstandsklassen: Die Anforderungen an die Feuerwiderstandsklasse (REI) von Bauteilen hängen stark von der Gebäudehöhe (Zl - ZV Kategorien) und der Brandlastdichte ab. Diese Berechnung muss exakt stimmen.

  • Beschilderung: Die Fluchtwegbeschilderung muss den ISO-Normen entsprechen, die auch in Polen gelten (ISO 7010). Alte DIN-Schilder sind tabu.


Fazit: Frühzeitige Planung spart Geld

Der Brandschutz in Polen ist kein Hexenwerk, aber er verzeiht keine Nachlässigkeit. Der Versuch, deutsche Konzepte 1:1 zu übertragen, scheitert meist.


Unsere Empfehlung:

Binden Sie so früh wie möglich einen lokalen Rzeczoznawca ein. Lassen Sie Materialien frühzeitig auf ihre Zulassung in Polen prüfen (CNBOP) und stellen Sie sicher, dass die Kommunikation zwischen den deutschen Architekten und den polnischen Fachplanern reibungslos funktioniert.


Glossar für den schnellen Überblick

Deutsch

Polnisch

Bedeutung

Brandschutz

Ochrona przeciwpożarowa

Oberbegriff

Feuerwehr

Straż Pożarna

Die Behörde / Einsatztruppe

Sachverständiger

Rzeczoznawca

Prüft und stempelt Pläne

Baugesetz

Prawo Budowlane

Gesetzliche Grundlage

Nutzungsgenehmigung

Pozwolenie na użytkowanie

Das Ziel jedes Projekts


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